Es ist normal, verschieden zu sein.

Elementare Musikpraxis mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften – ein Projekt der Hochschule für Musik und Tanz Köln unter Leitung von Prof. Dr. Corinna Vogel Willkommenskultur oder lieber doch nicht – viele möchte helfen und nur wenige wissen wie: Die Initiativen und Bemühungen, um geflüchteten Menschen zu helfen sind vielfältig, ebenso vielfältig sind die Missverständnisse, die aus einem manchmal aktionistischen Impuls heraus entstehen und auf beiden Seiten zu Enttäuschungen und Misserfolgen führen können. Die Konsequenz kann deshalb jedoch nicht sein, sich dieser Thematik nicht anzunehmen, die Konsequenz kann nur sein, sich mit diesem Bereich reflektiert und differenziert auseinander zu setzen. Ein Versuch dieser Art ist das Projekt „EMP mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften“ welches im April 2016 gestartet ist. In der „Offenen Tür Nonniclub“ (OT Nonni), einem Kinder- und Jugendzentrum am Helmholtzplatz in Ehrenfeld, findet einmal wöchentlich nachmittags ein musikalisch-tänzerisches Angebot für Kinder im Alter von 5 – 10 Jahren aus Flüchtlingsunterkünften statt. Die OT Nonni wurde als Ort ausgewählt, weil dort bereits ein regelmäßiger Deutschkurs für Kinder durchgeführt wird, viele kostenfreie Nachmittagsangebote für Kinder und Jugendliche organisiert werden und sowohl die MitarbeiterInnen als auch der Ort den in der Nähe wohnenden Flüchtlingsfamilien bereits bekannt ist. Der 1. Kölner Flüchtlingschor probt gleich um die Ecke. Eine ehrenamtlich arbeitende Studentin holt die Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft ab und bringt sie wieder dorthin zurück, so dass die Familien die Sicherheit haben, dass ihre Kinder immer gut begleitet sind. Das Projekt wird weiterhin von einer sozialpädagogischen Fachkraft unterstützt. Jeden Mittwoch singen, tanzen und musizieren die Kinder aus Flüchtlingsfamilien gemeinsam mit Kindern, welche bereits länger in Deutschland leben oder hier geboren sind. Studierende der musikpädagogischen Studiengänge EMP/IP/GP führen in Teams den Unterricht durch, koordiniert und inhaltlich-methodisch konzipiert wird er von Corinna Vogel. Die zugrundliegende Idee ist, dass die Kinder deutsche und internationale Lieder und Tänze durchführen, begleitend auf Instrumenten spielen, instrumental, tänzerisch und stimmlich improvisieren und so aus den unterschiedlichen Ideen und Impulsen der Kinder neue und individuelle Tänze, Musikstücke und Lieder entstehen. Anregungen, Lieder und Tänze aus den Herkunftsländern der Kinder werden integriert. Aufgrund des hohen Anteils an non-verbalen Kommunikationsmöglichkeiten werden mögliche Sprachbarrieren bei den Tätigkeiten umgangen. Da der Stadtteil Ehrenfeld von den Herkunftsländern der Bevölkerung per se sehr heterogen ist, werden neben Kindern aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak auch Kinder, welche schon länger in Deutschland leben, aus der Türkei, Bosnien, Italien, Rumänien und Russland teilnehmen. Das Ziel ist, dass die Kinder gemeinsam musikalisch, tänzerisch und in jedem Sinne künstlerisch – gestaltend tätig werden. Da ist es nur konsequent, dass Studierende aus der Türkei, aus China, Südkorea, Bolivien, Spanien, Griechenland und der Ukraine bereits ihre Teilnahme am Projekt zugesagt haben – so wird auf allen Ebenen deutlich: Es ist normal, verschieden zu sein.